Der Klang-Architekt: Marc-André HAMELIN Rezital 29.Nov.2016 Kammermusiksaal Philharmonie Berlin

b-phil

Programm
HANDN: Sonate C-Dur Hob. XVI:48
Samuil FEINBERG:
-Sonate Nr. 2 a-Moll op. 2
-Sonate Nr.1 A-Dur op. 1
BEETHOVEN: Sonate f-Moll op. 57 »Appassionata«
SKRJABIN: Sonate Nr. 7 op. 64 »Weiße Messe«
CHOPIN: Sonate Nr. 2 b-Moll op. 35

Zugaben
DEBUSSY
– „Reflets dans l’eau“ aus Image I
– „Feux d’artifice“ aus Préludes II

Ein Bericht zu diesem Konzert erfolgt in Kürze.   

Rekord Anmeldungen bei Van Cliburn

Für den 15. Van Cliburn Klavierwettbewerb, der vom 25. Mai bis 10. Juni 2017 stattfinden wird, haben sich so viele Teilnehmer wie noch nie angemeldet. 202 Pianisten und 88 Pianistinnen aus 43 Nationen. Die meisten kommen aus den USA, dann folgen China und Süd-Korea. Nach der „Screening Audition“, dürften 30 Pianisten an dem Wettbewerb teilnehmen. Am Finale, nur 6 Pianisten. Dem Gewinner stehen alle Türen der Konzertsäle offen. 

In Bezug auf die Jury, soll der Van-Cliburn keinen Vollzeit-Lehrer eingeladen haben, um Vetternwirtschaft zu vermeiden. In der Tat ist eine mögliche Vetternwirtschaft als kritischer Punkt in den Musik-Wettbewerben zu beklagen. Meiner Ansicht nach ist das allerdings keine gute Idee, Vollzeit-Lehrer komplett aus der Jury auszuschließen. Man sollte nur Lehrer als Juroren ausschließen, deren Schüler am Wettbewerb direkt teilnehmen.

PROKOFIEV Sonaten mit Geniusas & Redkin Philharmonie München 12.Nov.2016

Enormes Potenzial für Maestro des Klaviers

Die Nr.5 ist die einzige Klaviersonate, die Prokofiev in Ettal bei Garmisch Patenkirchen in Oberbayern und damit außerhalb Russlands komponierte. Inspiriert durch die idyllische Alpenlandschaft, hauchte der Komponist dieser Sonate einen anderen Charakter ein. Es fehlt hier, der gewöhnlich virtuose Prunk. Die Tempi bewegen sich im mittleren Bereich. Die Merkmale wie Sarkasmus, Aggression oder Frechheit, die in Prokofievs anderen Sonaten(ausgenommen Nr. 9) hausieren, werden entschärft. Stattdessen steht die schlichte Ästhetik im Vordergrund. Technisch auch leichter zu spielen als seine anderen Sonaten. Aber Vorsicht mit Unterschätzungen. Um diesem Werk Ausdruck zu verleihen, muss der Performer besondere Gaben besitzen. Die Fähigkeit für facettenreiche Klanggestaltung ist eine davon. Dafür steht Lukas Geniusas. In diesem jungen Pianisten steckt enormes Potenzial, ein echter Maestro des Klaviers zu werden. Bereits zählt er zu den wenigen Pianisten der Gegenwart, die allein durch Tonschönheit überzeugen können. In der Tat fiel in der Sonate Nr.5 zunächst die unfassbare Klangeleganz auf. Dazu beeindruckte seine interpretatorische Aussage mit authentischen Farbnuancen, Dynamik und inniger Phrasierung. 

In der Sonate Nr. 7 wählte der Pianist die wohltemperierten Tempi in drei Sätzen und sorgte dafür, die Inhalte der Texte durchsichtig und luftig zu gestalten. Eine Interpretation, die mit rhythmischer Präzision, Kontrolle und dramatischem Schwung begeisterte. Dank seines samtweichen Klaviertons wirkte diese Sonate insgesamt nicht so zornig oder brutal wie bei manch anderen Pianisten. Im zweiten Satz, vermisste man etwas detailliertere Annäherung an den Notentext. Beispielweise wurden viele Akzentbezeichnungen wenig Beachtung geschenkt. Dadurch hinterließ der Satz einen etwas linearen und blassen Eindruck. Nach seinem Auftritt nahm Geniusas einen Platz im Zuschauerraum ein, um dem Vortrag Sergei Redkins beizuwohnen. Eine schöne, kollegiale Geste, die von Solisten nicht unbedingt zu erwarten ist. Wahrscheinlich steht ein kumpelhafter und lockerer junger Mann hinter seinem Image, ein charismatischer Tastenlöwe zu sein.

 

Brilliert mit makellosem Vortrag

Sergei Redkin erschien auf dem Podium. Still und etwas schüchtern wirkend. Hoch gewachsen und sehr schlank von Gestalt. Seine Erscheinung erinnerte mehr an einen fleißigen Student im Naturwissenschaftlichen Fach, als an einen Klavier-Virtuose, der sich anstellt die schwierige Aufgabe, Prokofievs letzte umfangreiche Sonaten zu bewältigen. Am Klavier kündigte Redkin an, mit Bass-Stimme in akzentfreiem Deutsch, mit der Sonate von Scarlatti seinen Vortrag zu beginnen. Das war in meinen Ohren der überzeugendste Scarlatti jenes Nachmittags. Mit sehr wenig Pedal gelang es Redkin, aus dem schweren Steinway Klang, eine anmutige Cembalo-Klangfarbe hervorzuzaubern.

Die Sonate Nr.8 zeichnet sich aus, durch symphonischen Charakteristikum, stilistisch vereinbart mit Klassik, Romantik und Impressionismus. In Bezug auf kompositorischer Dimension, technische Schwierigkeit und Tiefe in Deutung, ein Meisterwerk der Klaviersonaten. Umso herausfordernder für Pianisten. Neben Virtuosität ist Vorstellungsvermögen des Aufführenden erforderlich. Die Musik der Sonate entfaltet sich wie ein Theaterstück, in der man sich Dialoge, Gesten, Wendungen und Aktionen vor seinen geistigen Augen ausmalen kann. Tatsächlich adoptierte Prokofiev einige Themen in dieser Sonate aus seiner Filmmusik „Pique Dame“ und „Eugen Onegin“.

Sergei Redkin scheint, diese Sonate ins Herzen geschlossen zu haben. Es war eine makellose Darbietung, die mit Detailgenauigkeit, gleichzeitig Weitsichtigkeit und struktureller Durchsichtigkeit beeindruckte. Nur im ersten Satz wünschte ich mir einen etwas breiteren Bogen. Es liegt nicht unbedingt in Redkins unprätentiösen Stil. Bei ganz jungen Pianisten ist im Allgemeinen der Atem kürzer als bei älteren. Den zweiten Satz mit lyrisch singender Linienführung zu gestalten, ist das Verdienst Redkins. Mit diesem Satz kann er mit den großen Altenmeistern mithalten. Den Schlusssatz Vivace, in dem Extremvirtuosität abverlangt wird, meisterte Redkin souverän, Transparenz ließ er nicht außer Acht, und den Spannungsbogen festhaltend. Als der letzte Ton des Rondo-Finalen verklang, war er sichtlich erschöpft. Für diese formidable Leistung wurde ihm reichlich applaudiert. Wieso bekommt dieser junge Pianist so wenig Aufmerksamkeit hierzulande?  Etliche berühmteren Pianisten, die wie Hans Dampf in allen Gassen in jeder Saison in jedem Konzerthaus auftreten, können Sergei Redkin nicht das Wasser reichen. Über die Sonate Nr.9 erspare ich mir meine Worte, da ich dieses Werk zu wenige kenne.

 

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DANKE an die Philharmonie München für die wunderbare Prokofiev- Gala!

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Konzert II
Lukas Geniusas
PROKOFIEV: Sonate Nr. 5 in C-Dur, Op. 38
D.SCARLATTI: Sonate in g-Moll, K. 450
PROKOFIEV: Nr. 7 in B-Dur, Op. 83 (Gewidmet an Sviatoslav Richter)

Livestream http://www.medici.tv/#!/prokofiev-scarlatti-lukas-geniusas-sergey-redkin

Sergei Redkin
D. SCARLATTI: Sonate in E-Dur K. 193
PROKOFIEV: Sonaten
Nr. 8 in B -Dur, Op. 84 (Gewidmet an Emil Gilels)
Nr. 9 in C-Dur, Op. 103 (Gewidmet an Sviatoslav Richter)

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Konzert I mit Dmitry Masleev & George Li hier

 

PROKOFIEV Klaviersonaten mit Masleev & Li Philharmonie München 12.Nov. 2016

Prokofievs 9 Klaviersonaten an einem Nachmittag

Eine absolute Rarität für Klaviermusikliebhaber. Anlässlich des 125. Geburtsjahres des genialen und einzigartigen Komponisten Sergei Prokoviev (1891-1953) wurden in der Münchner Philharmonie seine gesamten 9 Klaviersonaten in zwei Konzerten, an einem Nachmittag aufgeführt. Dazu eingeladen waren vier hochtalentierte junge Pianisten, die als Preisträger des Tschaikowsky Wettbewerbs 2015 gerade ihre internationale Podium-Karriere begonnen haben. Neben Prokofievs Sonaten, standen noch Scarlattis auf dem Programm. Die musikalischen Ursprünge Prokovievs Sonaten führen zurück auf den Spätbarock und der Frühklassik. Insbesondere ließ er sich durch Scarlatti und Haydn inspirieren.

 

Kein guter Tag

Dmitry Masleev, der das Konzert eröffnete, schien keinen guten Tag erwischt zu haben. Gleich am Beginn der ersten Sonate in f-Moll zeigte er Nervosität, und durchdrang die Komposition zu vehement. Dadurch gingen einiges verloren. Vor allem vermisste man klare Konturen und strukturelle Transparenz. In der 2. und 3. Sonaten steigerte sich der Pianist, aber ihm gelang es nicht, sich ganz zu befreien von den nachhaltigen Defiziten der ersten Sonate. Schade. Aber einen guten oder schlechten Tag hat jeder Pianist. Auch die Erfahrenen und Berühmten.

 

Ein fertig geschliffener Diamant

George Li hingegen zeigte gelassen seine gesamten Stärken: Technische Präzision, architektonische Transparenz, scharfe Konturen, atmende Phrasierung, Nuancenreichtum, klare Kontraste zwischen Lyrik und Dramatik, dynamische Spannungsbogen und Vitalität. Hier stimmte einfach alles! In Prokofievs Sonaten steckt meiner Empfindung nach theatralische Dramatik. Diesbezüglich überzeugte mich insbesondere Lis Art, den Text episch im großen Bogen zu gestalteten. Damit verlieh er in der Sonate Nr.4, mysteriöse, düstere, beinahe abgründige Stimmungswechsel. Nur im dritten Satz wünschte man etwas mehr Kühnheit, wenn man überhaupt etwas kritisch anheften will. Lis interpretatorische Aussage spricht mich sogar mehr an als die seiner Kollegen Kissin und Lugansky, die ich live schon zur Genüge hörte. Da ich beide sehr schätze, erlaube ich mir diesen Vergleich. Auch in der Sonate Nr. 6 stellte sich Li, souverän und ausdrucksstark vor, jeden Satz mit den passenden Charakterzügen kleidend. Mal heroisch, mal geheimnisvoll, mal romantisch. Die Reife und der tiefgehende Werkverstand dieses erst 21-jährigen Pianisten sind phänomenal. Zu erwähnen ist, dass George Li das nötige Podium Charisma besitzt. Er weiß, wie man das Publikum in seinen Bann zieht, ohne dabei Effekthascherei zu betreiben. Im meinen Bericht zum Rezital George Lis in Cochem schrieb ich, dass er ein Diamant sei, dem noch der letzte Schliff fehlte. In Bezug auf Prokofiev ist der junge Pianist schon fertig geschliffen.

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George Li im Interview nach dem Konzert

Konzert I
Dmitry Masleev
PROKOVIEV: Klaviersonaten
Nr.1 in f-Moll Op. 1
Nr.2 in d-Moll, Op. 14
Nr.3 in a-Moll, Op. 28
SCARLATTI: Sonate in d-Moll, K. 141

Livestream http://www.medici.tv/#!/prokofiev-scarlatti-dmitry-masleev-george-li

George Li
PROKOFIEV: Klaviersonaten
Nr. 4 in c-Moll, Op. 29
Nr. 6 in A-Dur, Op. 82
D.SCARLATTI: Sonate in d-Moll, K. 5

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Konzert II mit Lukas Geniusas & Sergei Redkin hier

Vorschau – Salzburger Festspiele 2017 Klavierkonzert

22. Juli 2017 Großes Festspielhaus 
Pierre-Laurent AIMARD
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Chor des Bayerischen Rundfunks
Dirigent, Kent Nagano
LIGETI Lux aeterna
MESSIAEN La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ

 

24. Juli 2017 Mozarteum – Großer Saal 
Cuarteto Casals
Igor LEVIT, Klavier
Markus HINTERHÄUSER, Klavier
HAYDN Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze Hob. XX/1:B
MESSIAEN Visions de l’Amen für zwei Klaviere

 

27. 29.Juli, 02. Aug. 2017 Mozarteum – Großer Saal
András SCHIFF Rezital
BACH Zweistimmige Inventionen BWV 772–776
BARTÓK Zehn Stücke aus dem Zyklus Für Kinder Sz 42
BACH Zweistimmige Inventionen BWV 777–781
BARTÓK Drei Rondos über Volksweisen Sz 84
BACH Zweistimmige Inventionen BWV 782–786
BARTÓK Drei Burlesken Sz 47
JANÁČEK Auf verwachsenem Pfade (Heft 1)
SCHUMANN Davidsbündlertänze op. 6

 

01. Aug. 2017 Mozarteum – Großer Saal
Christian Tetzlaff, Violine
Leif Ove Andsnes, Klavier
JANÁČEK Sonate für Violine und Klavier
SCHUBERT Drei Klavierstücke D 946
BACH Partita für Violine Nr. 2 d-Moll BWV 1004
SCHOSTAKOWITSCH Sonate für Violine und Klavier G-Dur op. 134

 

01. Aug. 2017 Großes Festspielhaus 21:00
Grigory SOKOLOV Rezital
U.a.
MOZART:
Sonate C-Dur KV 545
Fantasie c-Moll KV 475
Sonate KV 457

 

04. Aug. 2017 Großes Festspielhaus 19:30
Evgeny KISSIN Rezital
BEETHOVEN Sonate B-Dur op. 106 – „Hammerklavier“
CHOPIN Mazurken (Auswahl)
Etüden op. 10: Nr. 7 C-Dur, Nr. 8 F-Dur, Nr. 10 As-Dur, Nr. 11 Es-Dur
Etüden op. 25: Nr. 7 cis-Moll, Nr. 8 Des-Dur, Nr. 9 Ges-Dur, Nr. 10 H-Moll

 

5.6.Aug.2017 Mozarteum – Großer Saal 11:00
Kristian BEZUIDENHOUT, Klavier
Mozarteumorchester Salzburg
Giovanni Antonini, Dirigent
MOZART Klavierkonzert c-Moll KV 491

salzburg

6.(11 h) 7. Aug. 2017 Großes Festspielhaus
Daniil TRIFONOV, Klavier
Wiener Philharmoniker
Andris Nelsons, Dirigent
PROKOFJEW Klavierkonzert Nr. 2 g-Moll op. 16

 

09. Aug. 2017 Mozarteum – Großer Saal 
Igor LEVIT, Rezital
SCHOSTAKOWITSCH: 24 Präludien und Fugen op. 87

 

12. Aug. 2017 Mozarteum – Großer Saal
Igor LEVIT Rezital
SCHÖNBERG Ode to Napoleon Buonaparte (Lord Byron) für Sprecher, Klavier und Streichquartett op. 41
BEETHOVEN „Eroica-Variationen“ Es-Dur op. 35  
FREDERIC RZEWSKI The People United Will Never Be Defeated!

 

15. Aug. 2017 Haus für Mozart
Mitsuko UCHIDA Rezital
MOZART Sonate C-Dur KV 545 – „Sonate facile“
SCHUMANN Kreisleriana op. 16
WIDMANN Sonatina facile
SCHUMANN Fantasie C-Dur op. 17

 

17. Aug. 2017 Großes Festspielhaus
Maurizio POLINI Rezital
CHOPIN Sonate Nr. 3 h-Moll op. 58
DEBUSSY Préludes (Livre 2)

 

19.20. Aug. 2017 Mozarteum – Großer Saal 11:00 
Yulianna AVDEEVA, Klavier
Mozarteumorchester Salzburg
Constantinos Carydis, Dirigent
MOZART Fantasie d-Moll KV 397
MOZART Klavierkonzert  B-Dur KV 595

 

20. Aug. 2017 Großes Festspielhaus
Martha ARGERICH, Klavier
Bassam MUSSAD, Trompete
West-Eastern Divan Orchestra
Daniel Barenboim, Dirigent
SCHOSTAKOWITSCH Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester c-Moll op. 35

 

23. Aug. 2017 Großes Festspielhaus
Martha ARGERICH & Daniel BARENBOIM, Klavierduo
Werke von Wolfgang A. Mozart und Claude Debussy

 

25. Aug. 2017 Großes Festspielhaus
Jean-Yves THIBAUDET, Klavier
Gustav Mahler Jugendorchester
Ingo Metzmacher, Dirigent
GERSHWIN Klavierkonzert F-Dur

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Mehr dazu http://www.salzburgerfestspiele.at/konzert

Grigory SOKOLOV Recital / Alte Oper Frankfurt 31.Okt.2016

Ein Interpret voller Überraschung

2001 im kleinen Saal des Schlosses Schwetzingen hörte ich zum ersten Mal Grigory Sokolov live. Dieser Abend ist unvergessen. Sein „Prélude, Choral et Fugue von Franck“ brachte mich in eine neue Dimension. Seitdem war ich nie zufrieden, wenn ein anderer Pianist dieses Stück spielte. Eine Zugabe, Sokolovs damals, Chopins Mazurka Nr.40 in f-Moll, trieb mir fast Tränen ins Gesicht. Beim nächsten Klavierunterricht war mein Thema nur noch Sokolov. Viele Fragen, die ich damals meinem Klavierlehrer stellte, kann ich nun selber beantworten. So viele Jahre sind inzwischen vergangen. Und es gab keine Spielsaison, in der ich Sokolovs neues Programm verpasste. Eigentlich muss ich nicht mehr von seiner Klavierkunst überrascht werden. Doch, Sokolov wird für mich nie zur Gewohnheit. Er überrascht mich jedes Mal. Auch diesmal traf sein Vortrag meinen Nerv.

 

Eine feine Micro-Oper am Klavier

Sokolovs besondere Begabung ist, ein Werk völlig anders klingen zu lassen. Ohne dabei alles auf den Kopf zu stellen. Er stellt sich auch nie über die Musik. Er durchdringt das ganze Gefüge eines Werkes und bringt deren Kernaussage auf den Punkt. Da entdeckt man als Zuhörer immer wieder neues und vorher nicht wahrgenommenes. So war es diesmal auch mit Mozart. Sokolov näherte sich den Werken auf ungewöhnlich romantische Sicht. Dadurch verfremdet er Mozart in keiner Weise. Im Gegenteil. Die gesangliche Eigenschaft im Sinne Mozarts, wurde sehr prägend charakterisiert wie bei keiner anderen Interpretation. Im ersten Satz der C-Dur Sonate beispielsweise spielte er ein langsameres Tempo als üblich. Damit ging die Kantablität nicht verloren. Sokolov dirigierte sein Instrument in struktureller Durchsichtigkeit, mit atemberaubendem Feinsinn und klanglicher Vielfalt. Jeder Ton sollte mit Wärme und Natürlichkeit funkeln, jede Phrase so klingen wie eine Deklamation aus menschlicher Stimme. Atmosphärisch sorgte er dafür, Melancholie, Freude, Poesie und Dramatik darzustellen. Eine feine Mikro-Oper am Klavier. So kann man Sokolovs Mozart bezeichnen. Die originellste, die ich je gehört habe.

 

Unübertrefflich

Schumanns Fantasie in C-Dur von Sokolov betrachte ich als unübertrefflich. Vergleichen kann man ihn nur mit ihm selbst. Seine älteren Aufführungen dieses Werkes, sind zwar agiler, hier muss Sokolov nun seinem etwas fortgeschrittenen Alter Tribut zollen. Die Kernaussagekraft aber bleibt bestehen. Sokolov ging an das Werk mit bewundernswerter Detailgenauigkeit. Nicht mal ein Ritardando wurde übersehen. Das können aber andere auch. Was Sokolov einzigartig machte war, die in Schumanns Emotionen glühende Leidenschaft und Zerrissenheit der Gefühle hervorzubringen. Er ist damit in der Lage den Zuhörer in einen Rausch zu versetzen. Genauso schwungvoll, gefühlsbetont, nuancenreich und episch modulierte er Schubert und Chopin, die als Zugaben gegeben wurden. Das Publikum im vollen Saal der Alten Oper reagierte mit stehenden Ovationen. Ich wünsche Sokolov beste Gesundheit, so dass er noch mindestens 10 Jahre weiter konzertieren kann. 

 

Programm
MOZART:
Sonate Nr.16 in C-Dur KV 545
Fantasia in c-Moll KV 475
Sonate Nr.14 in c-Moll KV457

SCHUMANN:
Arabeske in C-Dur op.18
Fantasie in C-Dur op.17

Zugaben
SCHUBERT: Moments Musicaux, D.780
1. Allegretto As-Dur
2. Allegro moderato in f-Moll
3. Moderato in cis-Moll
4. Allegro vivace f-Moll
6. Andantino in As-Dur
5. CHOPIN: Mazurka in h-Moll Op. 30

 

Interpretation ★★★★★+
Repertoire-Auswahl ★★★★★
Instrument ★★★★★
Saalakustik ★★★ 

 

Alexei VOLODIN mit dem SWR Symphonieorchester Live aus Stuttgart

28.Okt.2016, 20:00 SWR2
Das ganze Konzert ist als Video zu sehen. Danke SWR!
http://www.swr.de/swr-classic/symphonieorchester/swr-symphonieorchester-abo2-stuttgart/-/id=17055322/did=17173184/nid=17055322/uing8p/index.html

Alexei Volodin, Klavier
Dima Slobodeniouk, Dirigent
SWR Symphonieorchester

STRAVINSKY: Capriccio für Klavier und Orchester in f-Moll op. 79.
WEBER: Konzertstück für Klavier und Orchester in f-Moll op. 79.

Jubiläumskonzert zum 205 Geburtstags von LISZT mit Louis LORTIE aus Raiding

25. Oktober 2016, 10:05  Ö1

Programm
Mozart /-Franz Liszt: Réminiscences de Don Juan
Wagner / Liszt:
a) Ouvertüre zu „Tannhäuser“
b) Vorspiel und Liebestod aus „Tristan und Isolde“
c) Feuerzauber aus „Die Walküre“
d) Siegfried-Idyll
(Aufzeichnung vom 22. Oktober im Konzertsaal Raiding)

Kirill Gerstein -TSCHAIKOWSKY Nr.2 Live aus London

BBC Radio 3 Listen live http://www.bbc.co.uk/programmes/b07z7b1n
(verfügbar bis 19.Nov.)

Kirill Gerstein, Klavier
BBC Symphony Orchestra
Semyon Bychkov, Dirigent

TSCHAIKOWSKY: Klavierkonzert Nr.2 in G-Dur, Op.44
I. Allegro brillante e molto vivace
II. Andante non troppo
III. Allegro con fuoco
(Aufnahme vom 19.Okt.2016 im Barbican London)

Vorschau: Heidelberger Frühling 2017 (Klavier/Cembalo)

28. März Stadthalle Großer Saal 19:30
IGOR LEVIT, Klavier
Irish Chamber Orchestra
Jörg Widmann, Leitung
Werke von Mozart u.a. Klavierkonzert Nr.21 C-Dur

 

05. April 2017 22:30 Uhr Frauenbad Heidelberg
TAMAR HALPERIN, Recital
Erik Satie:
Gymnopédies Nr. 1 und 3
Pièces froides Nr. 1
Gnossiennes Nr. 3, 5 und 6
Fâcheux Exemple
Choral Nr. 1
»Son Binocle« aus »Les trois valses distinguées du précieux dégoûté«
John Cage:
In a landscape
Maurice Ravel:
»Pavane pour une infante défunte«
Mouvement de menuet aus Sonatine pour piano
Jean Sibelius:
Allegro moderato aus Sonatine Nr. 1 fis-Moll op. 67
Claude Debussy:
La plus que lente
»La fille aux cheveux de lin« aus Préludes I
»The Snow Is Dancing« aus Children’s Corner
»Mouvement« aus Images I

 

09. April Stadthalle Großer Saal 20:00
WILLIAM YOUN, Klavier
Philharmonisches Orchester Heidelberg
Leitung, Mario Venzago
Schumann: Klavierkonzert a-Moll op.54

 

11. April Stadthalle Großer Saal 19:30
ANDRAS SCHIFF, Klavier & Leitung
Chamber Orchestra of Europe
Brahms: Klavierkonzert Nr.2 B-Dur op.83

 

19. April Frauenbad 19:00
TILL HOFFMANN, Klavier
Bach: Französische Suite Nr.6 E-Dur BWV 817
Schumann: Kinderszenen op.15
Brahms: Klavierstücke op.119

 

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Stadthalle Heidelberg

 

19. April Stadthalle Großer Saal 19:30
PIERRE-LAURENT AIMARD Rezital
Schubert:Klaviersonate Nr.18 G-Dur D894
Beethoven: Klaviersonate Nr.29 op.106 „Hammerklavier“

 

21. April Stadthalle Kammermusiksaal 10:00
MAHAN ESFAHANI, Cembalo
Cowell: „Set of Four“ für Cembalo
Bach: Italienisches Konzert in F-Dur BWV 971
Saaiaho: „Jardin Secret il“ für Cembalo und Elektronik
Rameau: aus Nouvelles Suites de Pieces de Clavecin a-Moll

 

21. April 2017 14:30 Uhr Stadthalle
URI CAINE, Recital
Carte blanche

 

23. April Hotel ‚Der Europäische Hof‘ 17:00
ROMAN IOPATYNSKYI, Rezital
Werke von Chopin, Rachmaninov, Skriabin, Ravel, Brahms

 

23. April Stadthalle Großer Saal 19:30
ALEXANDRE THARAUD, Rezital
Scarlatti: Sonaten
Rachmaninov: Morceaux de Fantaisie op.3
Mahler: Adagietto aus Sinfonie Nr.5 cis-Moll
Ravel: Miroirs

 

26. April Frauenbad 19:00
JEAN RONDEAU, Cembalo
Scarlatti Sonaten

 

29. April Stadthalle Großer Saal
DANIIL TRIFONOV, Klavier
Mahler Chamber Orchestra
Leitung, Mikhail Pletnev
Chopin:
Klavierkonzert Nr.1 e-Moll op.11
Klavierkonzert Nr.2 f-Moll op.21

 

Vollständiges Programm http://www.heidelberger-fruehling.de/heidelberger-fruehling/programm/kalender/

 

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Breiteres Angebot an Künstlern wäre wünschenswert
2015 und 2016 waren fruchtbare Jahren für die Klavierwelt. Es wurden renommierte Wettbewerbe wie der Tschaikowsky-, Chopin-, und Königin Elisabeth Wettbewerbe veranstaltet. Daraus sind hochtalentierte junge Pianisten als Preisträger hervorgegangen. Wettbewerb halte ich für Necessary Evil. Ist Musik messbar? Andererseits kann eine Wettbewerbserfahrung einen Pianisten für seine künftige Podium-Laufbahn positiv beeinflussen. Das Wettbewerb-Niveau stellt höchsten Ansprüche an den Künstler. Juroren haben andere, geschulte Ohren, als das breite Konzert-Publikum. Um überhaupt die Finals zu erreichen ist nicht nur Talent von Nöten, sondern auch ein ausgeprägtes Durchsetzungsvermögen. Unabdingbar für einen Solisten. Ich höre sehr gern Preisträger eines großen Wettbewerbs. Schade, dass keiner von ihnen im Heidelberger Frühling 2017 eingeladen wurde. Darüber hinaus, meine ich, viel zu oft treten hier fast immer die gleichen Künstler auf.

Preisträger des Tschaikowsky Wettbewerbs 2015
Dmitry Masleev, Lucas Geniušas, George Li
Sergei Redkin , Daniel Kharitonov, Lucas Debargue

Chopin Klavierwettbewerb 2015
Seong-Jin Cho, Charles Richard-Hamelin, Kate Liu
Eric Lu, Tony Yang, Dmitry Shishkin

Königin Elisabeth Wettbewerb 2016
Lukas Vondracek, Henry Kramer, Alexander Beyer
Chi Ho Han, Aljosa Jurnicic, Alberto Ferro

Jubiläumskonzert zum 100. Geburtstag von Emil GILELS

19. Oktober 2016 Tchaikovsky Concert Hall Webcast http://meloman.ru/concert/100-let-so-dnya-rozhdeniya-emilya-gilelsa/
(Accessible anytime)

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Emil Gilels (19.10.1916 – 14.10.1984) Foto:Tchaikovsky Concert Hall Moskau

Boris Berezovsky, Klavier
Moscow Chamber Orchestra
Dirigent: Alexey Utkin

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Lehrbuchhafte Handhaltung und unglaublich breite Handspannweite

PROGRAMM
D. SCARLATTI:
Sonate K 20
Sonate K 43
Sonate K 96
LISZT: Transzendentale Etüden
Mazeppa, Ricordanza, Feux Follets, Wilde Jagd, Harmonies du soir
CHOPIN: Klavierkonzert Nr.2 (ab 1:42:45)

Grigory Sokolov über Emil Gilels

Vita brevis, ars longa (Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang)

Grigory Sokolov, der fast keine Interviews gibt, macht einmal eine Ausnahme in der ZEIT Online. Wahrscheinlich weil es um sein Vorbild Emil Gilels geht. Er bezeichnet Gilels als eine große Persönlichkeit und einen großen Musiker so wie gleichzeitig als einen großen Menschen. Seit seinem siebten Lebensjahr habe er seinen Idol regelmäßig in der Philharmonie in St. Petersburg, damals noch Leningrad, gehört. Alle Konzerte. So sagt er.

Die beiden kannten sich, spätestens seit Sokolovs Teilnahme am Tschaikowsky Wettbewerb 1966, wo Gilels als Juryvorstand tätig war. Es wird gesagt, dass man Sokolov aufgrund seines zarten Alters von 16 Jahren, noch keinen ersten Preis geben wolle. Gilels aber erkannte das immense Talent an dem jungen Sokolov und setzte sich durch. So wurde Sokolov der jüngste Gewinner eines großen Wettbewerbs aller Zeiten.

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Dichter (l.) Giles und Sokolov, 1966

Gilels war auch ein mutiger Mann. Als sein Lehrer Heinrich Neuhaus 1941 wegen des Verdachts auf Spionage verhaftet wurde, appellierte Gilels an Stalin, für die Freilassung seines Lehrers. Das hätte ihm damals seinen Kopf kosten können, so Stalin übel gelaunt gewesen wäre.

Sokolov sagt weiter im Interview. „Als Pianist ist er nicht tot. Für die echte Kunst gibt es keine Zeit. Wir können Gilels heute nicht mehr live erleben, leider, wie viele andere Großen auch. Aber tot ist er nicht.“ Tatsächlich lebt Gilels, für Klavier-Enthusiasten weiter. Auch Dank seiner zahlreichen Aufnahmen einschließlich derer in Youtube. Habe ich Lust auf ein bestimmtes Stück zu hören, schaue ich gewöhnlich rein, ob es eine Einspielung von Gilels gibt. Eine meiner Lieblingsaufnahme von ihm ist Griegs Klavierkonzert. Dieses Niveau zu erreichen, ist nach meiner Auffassung bisher noch keinem anderen Pianisten gelungen

Heute am 19.Okt. wäre Emil Gilels 100 Jahre alt geworden.

 

Marc-André Hamelin Recital Livestream aus Kopenhagen

19. Okt. 2016, 19:30  DR P2 Klassik Zum Nachhören https://www.dr.dk/p2/p2-koncerten/p2-koncerten-2016-10-19

HAYDN: Sonate Nr. 48 in C-Dur

FEINBERG: Sonate Nr. 1/ Sonate Nr.2 in a-Moll

BEETHOVEN: Sonate Nr.23 in f-Moll „Appassionata“

SCHUMANN: Fantasie in C-Dur

Zugabe
DEBUSSY: „Feux d’artifice“ aus Préludes Livre II

(Aufzeichnung vom 27. Sep.2016 im Mogens Dahl Concert Hall, Kopenhagen)

Lukas Vondracek – Beethoven Nr.3 Livestream auf Arte-TV

http://www.arte.tv/guide/de/067836-000-A/beethoven-klavierkonzert-nr-3?country=DE
(Bis 16.Nov. verfügbar)

Klavier: Lukas Vondracek ( 1. Preisträger der Königin Elisabeth Wettbewerbs 2016)
Dirigent:Stéphane Denève
Orchestre national de Belgique

BEETHOVEN Klavierkonzert Nr.3 c-Moll, op. 37
I. Allegro con brio
II. Largo
III. Rondo: Allegro