Rückblick Saison 2015/16

Meistgelesene  Top 10 

1. Evgeny Kissin  Recital / Musikverein Wien 02. März 2016 

2. Boris Berezovsky Recital / Neue Aula Tübingen 09.Nov.2015

3. Marc-Andre Hamelin  mit der London Phil.- Rachmaninov Paganini Rhapsodie  & Liszt Danse macabre  / Alte Oper Frankfurt 28. Sep. 2015

4. Marc-André Hamelin Recital / Herkulessaal München 22. Junie 2016

5. Denis Kozukhin Recital / Schwetzinger Festspiele 01.Mai 2016

6. Boris Giltburg mit der Deutschen Radio Philharmonie – Rachmaninov Klavierkonzert Nr.3 / Konzerthaus Karlsruhe 08. April 2016

7. Grigory Sokolov Recital / Alte Oper Frankfurt 10. Nov. 2015

8. Marc-André Hamelin Recital /Stadthalle Heidelberg 17. April 2016

9. Nikolai Tokarev mit den Moskauer Virtuosen  – Mozart Klavierkonzert Jenamy / Philharmonie Köln 25. Okt. 2015

10. Arcadi Volodos Recital /Stadthalle Heidelberg 13. April 2016

 

Meine persönlichen Top 5 Konzerte (nach Datum)

– Marc-Andre Hamelin Alte Oper Frankfurt 28. Sep. 2015

– Evgeny Kissin Klavierabend /  Musikverein Wien 02. März 2016

– Marc-André Hamelin Klavierabend Stadthalle Heidelberg / Heidelberger Frühling 17. April 2016

– Klaviertrio mit Kissin, Rachlin & Maisky Philharmonie Essen / Klavierfestival Ruhr 18. April 2016

– Denis Kozukhin Klaviermartinee / Schwetzinger Festspiele 01. Mai 2016

 

Beste Liveübertragungen

– Marc-André Hamelin – Rachmaninov Klavierkonzert Nr.3 mit London Phil. London 09. März 2016 

– Marc-André Hamelin – Brahms Klavierkonzert Nr.2  aus Lugano 04. Mai 2016

– Bernd Glemser Recital aus Graz/Styriarte 05. Juli 2016

– Behzod Abduraimov – Rachmaninov Klavierkonzert Nr.3 aus London 18. Juli 2016

 

Rising Stars 

Seong-Jin Cho (Jg.1994): Gewinner des Chopin Klavierwettbewerbs Warschau 2015
Lukas Vondracheck (Jg.1986): Gewinner des Königin Elisabeth Wettbewerbs Brüssel 2016

Musik als Lärmbelastung

Einer meiner Bekannten, ein Klavierlehrer, teilte seiner Wohnung mit einem Mann, der ein großer Klassikmusikliebhaber ist. Während mein Bekannter nur eine spärliche CD Sammlung besitzt, hat sein Mitbewohner Tausende. Sobald er nach seiner Arbeit nach Hause kam, drehte er seine Stereoanlage laut auf. Einen Kopfhörer zu benutzen lehnte er ab. Mein Bekannter litt darunter schrecklich. Musik hatte er genug gehört, von seinen täglichen Übungen und von seinen Schülern. Wer täglich stundenlang am Klavier seine Zeit verbringt, braucht danach Ruhe. Mir geht es ähnlich. Das verstand dieser große Musikliebhaber nicht.

Einmal während eines gemeinsamen Abendessens war es mir auch zu viel und ich forderte ihn auf, entweder den Ton leiser zu stellen oder ganz abzuschalten. Mit erstaunlichem Blick meinte er, ich müsste doch Musik lieben. Ich bekenne mich nicht als große Musikliebhaberin. Ich versuche mich am Klavier zu verbessern. Falls ich Musizieren hören möchte, gehe ich ins Opernhaus oder in ein Konzert. CDs höre ich selten. Am Wochenende war es bei meinem Bekannten am schlimmsten. Er konnte nicht anders als die Wohnung zu verlassen und ging in den Park oder in ein Cafe, wo er nicht mit Musik berieselt wurde. 

GEORGE LI Recital / Kapuzinerkloster 07. August 2016 Klaviersommer Cochem

Cochem, Juwel der Mosel

Der Klaviersommer Cochem findet in einer der attraktivsten Regionen Deutschlands statt. Das Mosel Tal zeigt sich hier in malerischer Pracht und endlos grünen Weinbergen. Beide Ufer der Mosel angrenzend, das reizendes Städtchen Cochem. Auch die umliegenden sauberen Dörfer und andere Highlights können sich sehen lassen. Mitten im Stadt Bild hoch auf einem Hügel thronend, die mittelalterliche Reichsburg. Am Marktplatz, das Zentrum der Altstadt Cochem, reihen sich schöne Fachwerkhäuser in Pastellfarben aneinander. Auf Treppen in schmalen Gassen führt der Weg hoch zum Veranstaltungsort. Ein ehemaliges Kapuzinerkloster. Zum Rasten auf einer Bank kann man den herrlichen Blick auf die Reichsburg genießen. Ohne den Klaviersommer hätte ich dieses Juwel nicht entdecken können. Mit dem nächsten Besuch des Klavierfestivals werden wir hier wohl Urlaub machen.☺

 

Ungarische Rhapsodie brachte stehende Ovationen

Einige Stunden vor dem Klavierabend George Lis sah ich den Künstler auf der Straße. Mit Reisegepäck war er gerade in Cochem eingetroffen. Ein Tag zuvor trat er im Verbier Festival auf und begeisterte mit seinem bravourösen Vortrag des Saint-Saens Nr.2, das noch bei medici.tv zu hören und zu sehen ist. In Cochem hatte er nicht viel Zeit, das neue Klavier kennenzulernen und zu zähmen. Das gehört wohl zum Pianisten Leben. Mit der Klavierauswahl schien George Li Glück gehabt zu haben. Der Flügel, ein mittelgroßer Shigeru Kawai. Sowohl im Diskant und im Bass strahlte das Instrument mit sanften und warmen Klängen. Dabei fehlte es nicht an Volumen. Zuvor hatte ich dieses Instrument im Mikhail Pletnevs Konzert zum ersten Mal gehört.

George Li, geb. 1995, begann seine Podium-Karriere als Wunderkind. Internationale Aufmerksamkeit erlangte er durch den Tschaikowsky Wettbewerb 2015, in dem der damalig 19 jährig den zweiten Preis zusammen mit Lukas Geniusas teilte. Lis Markenzeichen ist sein warmer und großvolumiger Anschlag. Extrem schnell sind seine Finger. Zudem hat er die Gewohnheit, jede Taste fest und tief durchzudrücken. Diese Art des Spiels ist sehr kraftaufwendig, aber erzielt maximale Wirkung. Es wundert nicht, dass George Li glasklare Transparenz an Polyphonie erzeugt und die Kunst des Legatos und der Dynamik beherrscht.  

Sein erstes Programm, Haydens Sonate in h-Moll, gestaltete Li in schlichter und unprätentiöser Art mit sparsamem Pedal. Insbesondere gefiel mir sein dezentes Nuancenspiel in den 16tel Passagen, welches nicht oft in Vorträgen dieser Sonate zu hören ist. Etwas misslich war, nach meinem Geschmack, die subtile Bipolarität in Tempo di Minuetto und Minore. Im Presto Satz gelang es dem Pianisten, den epischen Charakter des Textes, schwungvoll und expressiv, pointiert artikulierend, darzustellen.  Die Chopin Sonate in b-Moll  modulierte er in großformatigem Stil, jegliche Sentimentalität vermeidend. Allerdings fehlte es etwas an der Balance zwischen Konstruktion und Emotion. Auch griff er hin und wieder zu stark in die Tasten. In den Rachmaninov- Corelli Variationen waren die Phrasierungsbogen etwas zu kurz, auch fehlte etwas an agogischem Geschick. Gelungen waren die Variationen mit perkussiven Merkmalen.

In Liszt zeigte George Li seine beste Seite. Die Consolation Nr.3 präsentierte er mit einfühlsamer Melodielinie, großem Bogen und agogischen Raffinessen wie ein alter Meister.  An der Ungarischen Rhapsodie Nr.2, hing der Erfolg des Klavierabends von George Li. Das schaffte der junge Pianist. Beeindruckend war nicht nur seine technische Brillanz, er verstand, weit darüber hinaus zu gehen und die Ausdeutung dieses Werkes im Sinne Liszt zu treffen. Seine Darbietung bestach durch geschlossene Phrasierung, Agilität, natürliche und atmende Rubati und in Atem haltende Spannung. Das begeisterte Publikum gab spontan stehende Ovation. Darauf folgten 2 Zugaben. Ein Diamant, dem noch der letzte Schliff fehlt. Wen wundert es bei einem Alter von 20 Jahren.

Programm
Haydn: Sonate h-Moll Hob. XVI:32
Chopin: Sonate Nr.2 in  b-Moll op.35
Rachmaninov: Corelli-Variationen op.42, in d-Moll
Liszt:
-Consolation Nr.3 in Des-Dur
-Ungarische Rhapsodie Nr.2 in cis-Moll (Kadenz:Rachmaninov)
Zugaben
-Liszt/Schumann: „Widmung“
-Bizet/Horowitz: Carmen Fantasie

 

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Prokofiev Klaviersonaten Marathon
Am 12. November 2016 tritt George Li zusammen mit Dmitry Masleev, Lukas Geniusas und Sergei Redkin, Preisträger des Tschaikowsky Wettbewerbs 2015,  in der Philharmonie München auf.
Ihr Programm: die gesamten Klaviersonaten von PROKOFIEV!

 

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Beautiful COCHEM

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Kapuzinerkloster: Veranstaltungsort
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Blick von der Burg auf Cochem
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Reichsburg Cochem
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Marktplatz

Nikolai Lugansky Recital Livestream aus La Roque d’Anthéron

10. Aug. 20:00 France Musique
(Available until 09.Sep.)

Programm
FRANCK/Bauer: Prelude, Fuge und Variation op. 18
SCHUBERT: Impromptus op. 142
TCHAIKOVSKY: The Seasons (Auswahl)
RACHMANINOV: Moments Musicaux op. 16 (Nr. 3. 4. 5. 6.)

Zugaben
Rachmaninov: Prelude Op.23 Alla marcia in g-Moll
Medtner: Canzona serenata No 6 Op. 38

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Am 06. Dezember 2016 tritt Nikilai Lugansky mit dem selben Programm an der Alten Oper Frankfurt auf. 

Behzod Abduraimov Recital / Liveübertragung aus dem Verbier Festival (1)

03. August 2016  http://www.medici.tv/#!/verbier-festival-abduraimov-recital
(Available)

Programm:
CHOPIN: Ballade Nr. 1 in g-Moll op.23
SCHUBERT: 6 Moment Musicaux, Op. 94, D. 780
BEETHOVEN: Klaviersonate Nr. 23 in f-Moll Op. 57, ‚Appassionata‘
PROKOFIEV: Klaviersonate Nr. 6, Op. 82.

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Kontrolliertes Power-Spiel, verblüffende Klarheit, insbesondere in den kontrapunktischen Passagen, logische Entwickelung. Einfach beeindruckend!
Behzod Abduraimov gehört die Zukunft.

Mannheimer Philharmoniker Saison 2016/17

So. 02.10.2016 19:00h – Rosengarten Mannheim
Mannheimer Philharmoniker
Boian Videnoff, Leitung
Mischa Maisky, Violoncello
Programm
Dvorák: Konzert für Violoncello
Beethoven: Sinfonie Nr. 3 „Eroica“

 

So. 04.12.2016 19:00h – Rosengarten Mannheim
Mannheimer Philharmoniker
Boian Videnoff, Leitung
Moritz Winkelmann, Klavier
Programm
Beethoven: Klavierkonzert Nr. 3

 

Sa. 07.01.2017 19:00h – Rosengarten Mannheim
Olga Zado, Klavier
Recital
Programm
Haydn: Sonata Hob. XVI: 46
Schumann: Fantasie in C-Dur
Prokofjew: Sonate Nr. 6

 

So. 19.02.2017
19:00h – Rosengarten Mannheim
Mannheimer Philharmoniker
Boian Videnoff, Leitung
Francesca Dego, Violine
Programm
R. Strauss: Träumerei am Kamin aus Intermezzo
Wolf-Ferrari: Violinkonzert
Schumann: Sinfonie Nr. 4

 

So. 14.04.2017 19:00h – Rosengarten Mannheim
Mannheimer Philharmoniker
Boian Videnoff, Leitung
Evgeni Bozhanov, Klavier
Programm
Rachmaninoff: Klavierkonzert Nr. 2 in c-Moll

Mehr dazu http://www.mannheimer-philharmoniker.de/

CLEMENTE TRIO / 15. Juli 2016 Hubertussaal-Schloss Nymphenburg München

RIP to the victims of Munich

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Peter Clemente, Violine
Konstantin Pfiz, Violoncello
Paul Rivinius, Klavier

Mendelssohn: Klaviertrio Nr. 2 c-moll op. 66
I. Allegro energico e fuoco
II. Andante espressivo
III. Scherzo. Molto Allegro quasi Presto
IV. Finale. Allegro appassionato

Rachmaninow: Klaviertrio Nr. 2 d-moll op. 9 „élégiaque“
I. Moderato—Allegro vivace
II. Quasi variazione. Andante
III. Allegro risoluto—Moderato

3 x Zugaben
u.a. Schumann: Träumerei

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Schloss Nymphenburg, München

Marc-André Hamelins Auftragswerk für den Van Cliburn Klavierwettbewerb 2017

Marc-André Hamelin ist nicht nur einer der bedeutendsten Pianisten des 21. Jahrhunderts, er ist auch tätig als Komponist. Für den ARD-Musikwettbewerb 2014 schrieb er die wunderbare „Pavane Variée“. Nun ist er beauftragt, ein neues Werk für den 15. Van Cliburn Klavierwettbewerb 2017 zu komponieren. Der alle vier Jahre in Texas stattfindende Cliburn ist einer der renommiertesten Klavierwettbewerbe. Dessen Gewinner stehen die Türen der internationalen Podien offen. Details über Hamelins Auftragswerk werden Anfang 2017 bekanntgegeben. Er ist auch in der Jury im Cliburn 2017 verpflichtet. Jury und gleichzeitig Komponist für Auftragswerke wird das erste Mal in die Geschichte des Cliburn Klavierwettbewerbes eingehen.

Entsprechend eines Berichtes in einer hiesigen Zeitung, hat der Cliburn dafür gesorgt, dass keine Vollzeit Klavierlehrer unter den Juroren sind. Wohl um mögliche Vetternwirtschaft zu vermeiden. Was macht aber den Unterschied, ob die Jury aus Vollzeitlehrern und Halbzeitlehrern bestehen. Wer seine Schüler in einen Wettbewerb schickt, sollte nicht Jury für diesen Wettbewerb sein. Eigentlich sollte die Jury nur aus Konzertpianisten ohne jegliche Lehrbeschäftigung bestehen. Vielen aber fehlt es an Zeit oder Wille. Mich überrascht, dass Hamelin mit seinem dichten Terminkalender auch noch eine Jury-Tätigkeit übernimmt. Vor ihm Wochen lang vorzuspielen, wird wohl für manchen, Knie Zittern hervorbringen. Gerade eine derartige Erfahrung wird sich auf einen Pianisten für seine künftige Podium-Karriere positiv auswirken. Ein guter Pianist benötigt nicht nur Talent, sondern auch Schneidigkeit.

Jury des Van Cliburn Klavierwettbewerbs 2017
Lonard Slatkin, Jury Vorsitzender (USA)
Arnaldo Cohen (Brasil)
Jean-Philippe Collard (Frankreich)
Marc-André Hamelin (Kanada)
Christopher Elton(UK)
Joseph Kalichstein (Israel/USA)
Mari Kodama (Japan)
Anne-Marie McDermott (USA)
Alexander  Toradze (Georgien/USA)
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Screening Jury
Dmitri Alexeev (Russland)
Michel Beroff (Frankreich)
Janina Fialkowska (Polen/Kanada)
James Parker (Kanada)
Pamela Mia Paul (USA)

Marc-André HAMELIN Recital 22. Juni 2016 Herkulessaal München

Der Klangmaler

Draußen grelle Sonne, Temperatur 30 Grad mit hoher Luftfeuchtigkeit. Drinnen im alten Gebäude des Herkulessaals mit dicken Wänden und hohen Decken, angenehm kühl auch ohne Klimaanlage. Wie in meinem ersten Besuch des Konzertes von Marc-André Hamelin waren auch diesmal wieder Abonnenten Plätze zum größten Teil unbesetzt. Dies befremdet mich. Es handelt sich um einen, vom international fachkundigen Publikum höchst geschätzten Interpreten. Zuvor hatte ich Hamelins Rezitals in Frankfurt und Heidelberg in beinahe ausverkauften Sälen erlebt. Gibt es so wenige Klaviermusikenthusiasten in der angeblichen Kulturhochburg München?

An jenem Abend wirkte Hamelin etwas indisponiert und spielte sein Programm teilweise mit Vorlage seiner Notenblätter. Wohl um ein mögliches Malheur zu verhindern. Körperliche Indisponiert kann es vorkommen, dass man die Noten vergießt. Auch ein Supervirtuose ist ein Mensch. Den Umständen entsprechend trafen nicht alle Programminhalte Hamelins eigentliches Niveau. Die zu Beginn gespielte, Haydn Sonate war etwas statisch und ließ Haydns typische Delikatessen vermissen. In Beethovens „Appassionata“ erwies es sich, dass die Klavierauswahl nicht unbedingt trefflich war. Der zur Verfügung gestellte Fazioli hatte einen zu brillanten Klang für dieses Werk.

Hamelin ist bekannt dafür, die zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Werke aufzuführen. Diesmal präsentierte er 2 Sonaten von Samuil Feinberg. Sie bestechen durch strukturelle Originalität, harmonischem Reichtum und einer einzigartigen Atmosphäre. Besonders spricht mich die Nr.1 an. Es beginnt mit einem Thema aus einer schlicht lyrischen Melodie. Sukzessiv entwickeln sich dichte Klanggespinste in vielfältigen Formen. Raffiniert sorgte Hamelin dafür, die Töne individuell auszuleuchten, und erzeugte damit großartig architektonische Klangbilder. Begeistert davon überlege ich mir nun, die Sonate selber einzuüben. Die Nr.4 ist eine besondere Herausforderung an Virtuosität und Geschick. Da fühlte Hamelin sich zu Hause. In seinem kommenden Münchner Konzert werden die Sonaten Nr.5 und 6. Feinbergs zu erleben sein. Freue mich schon darauf. 

In der zweiten Hälfte des Konzertes wurden 12 Préludes Debussys präsentiert. Dieses Mal zeigte der opulente Klang des Faziolis seine beste Seite. Vom ersten Prélude an spielte Hamelin Klartext: Hier hat das verklärend impressionistische Lichtspiel nichts zu suchen! Dargestellt wurden bildhafte und epische Klanggemälde in voller Farbenpracht. Dabei sorgte Hamelins enormes technisches Vermögen dafür, dass keine grellen Effekte aufkamen. Besonders gelungen fand ich, zunächst La Puerta del Vino, das der Pianist in kühner Art, großformatig und kontrastreich vortrug. Das Prelude wurde inspiriert durch eine Postkarte von Manuel de Falla, in der ein Tor der Alhambra Granadas abgebildet war. Debussys Liebe zu Spanien blieb als unerfüllter Traum, da er nicht ausreichendes Geld für die Reise hatte. In Les fees sont d`exquises danseuses beeindruckte Hamelin mit herrlichem Nuancenspiel, Durchsichtigkeit in den Klangschichten, atmender Phrasierung und perfektem Pedal. In General Lavine bot er einen rhythmisch unnachahmlich eloquenten Cake-Walk. So etwas habe ich bei keinem europäischen Pianisten bisher erlebt. In La Terrasse des audiences du clair de lune verzauberte er die magische Atmosphäre mit gedämpfter Sinnlichkeit. Feux d’artifice. Farbenprächtig und plastisch pinselte der Klangmaler am Klavier ein grandioses vulkanisches Feuerwerk. Als Zugabe wünschte ich mir heimlich „Canzone (Nessun maggior dolore)“ von Liszt, die Hamelin in Heidelberg so ergreifend gespielt hatte. Dafür war er aber diesmal nicht in aller besten Verfassung. Das Konzert beendete mit stehenden Ovationen.

Im Februar 2017 gibt Hamelin 3 Konzerte hintereinander in München. Info 

*****

HAYDN: Sonate C-Dur Hob. XVI/48

SAMUIL FEINBERG:
-Sonate Nr. 1 op. 1, Nr. 4 op. 6

BEETHOVEN: Sonate f-Moll op. 57 „Appassionata“

DEBUSSY: Préludes für Klavier – Zweites Heft
1. Brouillards (Nebel)
2. Feuilles mortes (Welke Blätter)
3. La puerta del Vino (Das Tor des Weins)
4. Les fées sont d’exquises danseuses (Die Feen sind ausgezeichnete Tänzer)
5. Bruyères (Heide)
6. Général Lavine (General Lavine)
7. La terrasse des audiences du clair de lune (Die Terrasse der Mondlicht-Audienzen)
8. Ondine (Undine)
9. Hommage à S. Pickwick Esq. P.P.M.P.C.
10. Canope
11. Les tierces alternées(Die alternierenden Terzen)
12. Feux d’artifice(Feuerwerk)

2 Zugaben

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Herkulessaal: Akustisch hervorragend, optisch elegant.
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Fassade zum Hofgarten

Pierre-Laurent Aimard – Messiaen „Catalogue d’Oiseaux“ live aus dem Aldeburgh Festival

19. Juni 2016 BBC Radio 3  

Pierre-Laurent Aimard, Klavier

MESSIAEN: Catalogue d’Oiseaux
-Le Traquet stapazin (Mittelmeer-Steinschmätzer)
-La Bouscarle(Cetti)
-Le Traquet rieur(Trauersteinschmätzer)

-La Buse variable (Mäusebussard )
-L’Alouette calandrelle(Kurzzehenlerche)
-Le Loriot
-Le Merle bleu(Blaumerle)

-Le Chocard des Alpes (Alpendohle)
-La Merle de roche (Steinrötel)
-Le Courlis cendré (Großer Brachvogel)

-La Chouette hulotte (Waldkauz)
-La Rousserolle effarvatte (Teichrohrsänger)
-L’Alouette lulu (Heidelerche)

Klavierduo mit Brahms

Johannes Brahms war mit einem Arzt gut befreundet. Der Mediziner bat einmal Brahms, ob er nicht mit ihm vierhändig spielen wolle. Der Komponist war einverstanden, spielte aber so laut und energisch, dass sein Duopartner einfach nicht folgen konnte. Hinterher lamentierte dieser, dass er seinen eigenen Ton nicht mehr gehört hatte. Worauf entgegnete Brahms, „Das war  ja eben Ihr Glück!“

 

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LUKAS GENIUSAS -Tschaikowsky Klavierkonzert Nr.2 / Rosengarten Mannheim 12. Juni 2016

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So prickelnd wie ein Feuerwerk

Als Preisträger des Chopin-Klavierwettbewerbes und des Tschaikowsky Wettbewerbes hat sich der erst 25-jährige Pianist Lukas Geniusas bereits in der Klavierwelt einen großen Namen gemacht. Ausgebildet wurde er bei seiner Großmutter und Neuhaus-Schülerin, Wera Gornostajewa. Mit seinem breitgefächerten Repertoire zählt er zu den Allroundern. In Frankreich, das pianistisch zurzeit mehr zu bieten hat als hierzulande, ist er ein gefeierter junger Tastenlöwe. Nun zum ersten Mal war er am vergangenen Sonntag zu Gast im Rosengarten Mannheim. Groß gewachsener Gestalt, markante Gesichtszüge und mit Trend-Bart wirkte er männlich, reif und charismatisch. Etwas unpassend für sein Alter.

Geniusas Programm, das 2. Klavierkonzert Tschaikowskys, steht äußerst selten auf den Spielplänen. Die Gründe dafür dürften sein, dass die enorme Beliebtheit des 1. Klavierkonzertes, das des 2. in den Schatten stellt. Es liegt auch an der geringen Zahl der Performer dieses Werkes, welche die Möglichkeit besitzen sowohl Extremvirtuosität, als auch sportliche Leistung zu erbringen. Der erste Satz beinhaltet mehrere lange Klaviersoli. Schon im ersten Klaviersolo gibt es Passagen, die selbst für Virtuosen schweißtreibend sind. Geniusas bewältigte alle technischen Hürden meisterhaft. Dabei waren strukturelle Durchsichtigkeit, markante Intonation und perfekte Dynamik-Abstufung unüberhörbar präsent. Was mich vor allem Gefangen nahm, war sein samtweicher und eleganter Klavierton, den man nur live richtig erleben kann. Selbst in den dichtesten Akkorden im Fortissimo, blieb er unverändert faszinierend weich. Diese Fähigkeit besitzen nur wenige Pianisten. In den lyrischen Abschnitten waren seine differenzierte Agogik und durchatmende Phrasierung zu bewundern. In der mehrteiligen Kadenz verzauberte er zunächst durch plastische Gestaltung und Nuancenspiel. Die Kulmination im Prestissimo Abschnitt entfaltete sich nicht gerade wünschenswert. Hier kann man ruhig etwas übertreiben, bzw. an die Grenze gehen, um das ausgedehnte Creschendo zur Geltung zu bringen. Geniusas hingegen agierte zu vorsichtig und verpasste so mit den richtigen Moment, den Gipfel zu erreichen. Gefühlt brodelte und brodelte es, aber die Explosion blieb aus.

Der zweite Satz Andante non troppo mit der Charakteristik des Tripelkonzertes, stellt sich als Einzigartiges in der Geschichte des Klavierkonzertes dar. Zunächst führen Violine und Cello ohne Klavier einen langen Dialog. Erst im Takt 66 folgt das Klaviersolo. Dann setzen Violine und Cello erneut ihre Konversation ohne Klavier fort. Zum Schluss legt die Violine eine Kadenz. Ab hier treffen die drei Instrumente zum ersten Mal aufeinander und es beginnt das Trio. Zum Schluss ein Klaviersolo mit einer Kadenz.
Die Violine- und Cello Soli wurden von Mitgliedern der Mannheimer Philharmoniker ergreifend vorgetragen. Lukas Geniusas integrierte sich in das Trio einfühlsam und kammermusikalisch denkend. Im dritten Satz begeisterte er mit perfekten rhythmischen Kontrollen, Eloquenz, Konturreichtum und Agilität. Es klang prickelnd wie ein Feuerwerk. Für das jubelnde Publikum gab es eine Zugabe, die nach Kasputin klang.

Die aus jungen Musikern bestehenden und nicht staatlich subventionierten Mannheimer Philharmoniker unter der Leitung von Boian Videnoff  spielten mit großer Intensität, stets mit dem Solisten harmonisierend und ihn im Vordergrund stehen lassend. Es ist lobenswert, dass der junge Dirigent Videnoff sich für den aufwendigen Urtext des 2. Klavierkonzertes entschied.

Flügelklang: diskantstark, volltönend und samtig-brillant
Saalakustik des Musensaal: hervorragend 

Lukas Geniusas, Klavier
Boian Videnoff, Dirigent
Mannheimer Philharmoniker

Programm:
TSCHAIKOWSKY: Klavierkonzert Nr.2 in G-Dur, op.44
I. Allegro brillante
II. Andante non troppo
III. Allegro con fuoco

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Lukas Geniusas unter Beifallssturm

 

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Rosengarten Mannheim

Am 12. November 2016 ist Lukas Geniusas in der Münchner Philharmonie zu erleben. Mit den anderen Preisträgern des Tschaikowsky Wettbewerbs 2015 wie George Li, Dmitry Masleev und Sergej Redkin wird er die gesamte Klaviersonate Prokofievs an einem Nachmittag aufführen.

HomeSymphony (Livestream) by Mannheimer Philharmoniker

Alle Konzerte der Mannheimer Philharmoniker sind live und kostenlos im Internet unter  http://www.homesymphony.com/de/  zu erleben.

 

Nächster Livestream Termin: 12. Juni 2016, 19:00 aus dem Rosengarten Mannheim

LUKAS GENIUSAS, Klavier
(Preisträger des Chopin Klavierwettbewerbs 2010 und Tschaikowsky Wettbewerbs 2015 )

Boian Videnoff, Dirigent
Mannheimer Philharmoniker

Programm:
TSCHAIKOWSKY: Klavierkonzert Nr.2 in G-Dur, op.44
I. Allegro brillante
II. Andante non troppo
III. Allegro con fuoco

SCHUBERT
Symphonie Nr. 4 in c-Moll, D 417 „Tragische“

Beethovens Tripelkonzert / Stadthalle Heidelberg 02.Juni 2016

Das Klavier sei nicht in Ordnung

Während der Pause sprach mich meine Sitznachbarin an und meinte, dass das Klavier nicht in Ordnung wäre. Sie musste sich anstrengen, dem Klavierpart zu folgen. Mir ginge es ähnlich. Das Klavier klang halblaut und gedämpft. Anfänglich dachte ich mir, dass das linke Pianopedal im Einsatz gewesen wäre. Allerdings war das Klavier leise nicht nur im Tutti, sondern auch im Solo. Das weist darauf hin, dass die Lautstärke des Klaviers mit dem sogenannten Moderator leise gestellt würde. Wohl um das Klangvolumen des Hammerklaviers zu imitieren. Immerhin schrieb Beethoven darauf sein Tripelkonzert. Der Klang des Hammerklaviers ist verglichen mit dem heutigen modernen Klavier, leiser und weniger voluminös. Eigentlich das optimale Instrument für das Klaviertrio. Violine und Cello brauchen nicht fürchten, vom Klavier übertönt, im schlimmsten Fall erwürgt zu werden.

Akustisch ist das Heidelberger „Experiment“ allerdings eher für einen kleinen Saal geeignet. Darüber hinaus, wirkte die reduzierte Lautstärke sich nicht positiv auf den Klavierpart aus. Das Klavier trat in den Hintergrund. Es mag sein, dass das Cello dadurch mehr im Mittelpunkt stand, welches der Intention des Komponisten entspricht. Die Violine hat in diesem Werk wenig zu sagen. Durch die Reduzierung der Lautstärke am Klavier, fehlte es doch an Vitalität und Temperament in der gesamten interpretatorischen Aussage des Trios.

***

William Youn, Klavier
Julian Steckel, Cello
Lena Neudauer, Violine
Philharmonisches Orchester Heidelberg
Leitung, Elias Grand

Ludwig van Beethoven: Tripelkonzert in C-Dur op. 56
I. Allegro
II. Largo
III. Rondo alla Polacca
Uraufführung: Mai 1808 im Augartensaal, Wien

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Stadthalle Heidelberg

Alexander Romanovsky – Brahms No. 2 Livestream from Bologna

03. Juni 2016 20:30 CET Rai Radio 3
(Aufnahme vom 26.Nov.2015 im Teatro Manzoni, Bologna)

Alexander Romanovsky, Klavier
Orchestra del Teatro Comunale di Bologna
Lothar Zagrosek, Dirigent

Programm
BRAHMS: Klavierkonzert Nr.2 in B-Dur Op.83
I. Allegro non troppo
II. Allegro appassionato
III. Andante
IV. Allegretto grazioso

Zugaben
Chopin: Etude in c-Moll Op. 10, Nr. 12
Bach/Siloti: Prelude in h-Moll

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BRAHMS: Klavierkonzert Nr.2
Uraufführung: 09.November 1881, Redoutensaal in Budapest
Johannes Brahms, Klavier
Alexander Erkel, Dirigent
Budapest Philharmonic

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Tafelklavier Baumgardten & Heins Hamburg um 1859
(Johannes Brahms Museum Hamburg)

Auf diesem Klavier gab Brahms 1861/62 Unterricht.

NIKOLAI TOKAREV – Grieg Klavierkonzert / Laeiszhalle Hamburg 29.Mai 2016

Nikolai Tokarev, Klavier
Michał Nesterowicz, Dirigent 
NDR Sinfonieorchester

Edvard Grieg: Klavierkonzert in a-Moll op. 16
I. Allegro molto moderato
II. Adagio
III. Allegro moderato molto e marcato

Zugabe
Rachmaninov: Prélude in cis-Moll op. 3 Nr. 2

Liveübertragung zum Nachhören http://www.ndr.de/Nikolai-Tokarev-im-Sonntagskonzert,audio284442.html

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Präzis, exquisit und einfühlsam 
Mein Bericht zu Tokarevs Aufführung folgt in Kürze.

 

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Nikolai Tokarev unter stürmischem Beifall

 

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Laeiszhalle Hamburg

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